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Hochsommer

„Wir wollten baden und waren mit dem Auto bis zu einer kleinen Anhöhe gefahren, von der aus man zu Fuß noch eine gute halbe Stunde bis zum See ging. Der Weg führte an ein paar Bauernhäusern vorbei über eine Wiese, auf der eine große Linde stand, unter der niemand geringeres als Hugo von Hofmannsthal einst gesessen und gedichtet haben soll. Und just unter dieser Linde wies unser Schweizer Gast uns plötzlich darauf hin, dass Hochsommer sei. Er habe diese Jahreszeit bisher immer verpasst bzw. sei ihm immer erst hinterher aufgefallen, dass sie wohl stattgefunden haben musste. Auf unserem kleinen Ausflug aber war er sich ihrer voll bewusst geworden. Er hatte den Hochsommer sozusagen erwischt, hielt ihn vor unseren Augen verbal am Schopf gepackt. Wir sahen uns schulterzuckend um, niemand hatte etwas dagegen einzuwenden. Auch das Summen der Insekten bestätigte ihn. Das war also der Hochsommer.“

HOCHSOMMER erzählt von einem Wochenende mit Freunden im Salzkammergut. Die Erzählung ist im Heft Nr. 17 (bzw.) der Starnberger Hefte erschienen.